InnoTrans 2026: Dein Messe-Überblick
- Alstom Coradia Stream Intercity für Trenitalia
- Stadler Euro DuFour für die SBB
- Siemens Mireo als Railjet M für die ÖBB
- Stadler KISS als Railjet Dosto für die ÖBB
- Hitachi ETR 1000 als Frecciarossa für Trenitalia
- Siemens Vectron X
- Vossloh Modula BDD für DB Cargo
- Instandhaltungsfahrzeuge: Windhoff, Plasser & Theurer
- BEMU-Fahrzeuge, Stadtbahn, Straßenbahn & Co.
- Interview mit InnoTrans-Direktorin Kerstin Schulz

Alstom Coradia Stream Intercity für Trenitalia
Keinen Fern-, sondern einen Regionalzug hatten viele in diesem Jahr auf der InnoTrans im Potpourri Alstoms erwartet: Und zwar den Coradia Max für Baden-Württemberg. Aber es kam anders und nun steht der Coradia Stream Intercity auf dem Berliner Messegelände. Zugegebenermaßen ist das eigentlich auch ein Regionalzug, welcher in hoher Stückzahl an Trenitalia geliefert werden sollte. Das geschah auch so, bis Anfang 2023 beschlossen wurde, 22 achtteilige 200 km/h (anstatt 160 km/h) schnelle Einheiten zu beschaffen, um sie im Regionalverkehr zwischen Rom und Florenz einsetzen zu können.
Schweiz

Stadler Euro DuFour für die SBB
Nicht auf dem Hauptgleisfeld, sondern zwischen den Hallen ist die EURO DuFour versteckt, welche hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. In sattem SBB-Rot erscheint die Lokomotive und es wird unmissverständlich klar: Diese Lok ist für die Schweiz gedacht. Vor zwei Jahren wurde auf der InnoTrans der Liefervertrag für 36 dieser elektrischen Mehrsystemlokomotiven unterzeichnet. 22 davon sogar mit Batteriemodul für den Rangierbetrieb. Durch die Mehrsystemfähigkeit kann die EURO DuFour auf allen gängigen europäischen Eisenbahnnetzen mit Normalspur unterwegs sein, ist jedoch speziell für die Schweizer Verhältnisse angepasst worden: Für die vielen bogenreichen Strecken wurden die Drehgestelle inklusive integrierter Lenkung neu entwickelt und sollen den Verschleiß um bis zu 20 Prozent reduzieren.

Siemens Mireo als Railjet M für die ÖBB
Einige Bilder kursieren bereits; jetzt wird er aber das erste Mal öffentlichkeitswirksam präsentiert: Der neue Railjet M für die ÖBB. Genau wie der Coradia Stream für Italien ist der Mireo eigentlich auch ein Regionalzug, welcher modifiziert nun aber als Fernverkehrszug eingesetzt werden wird. 31 Einheiten wurden Ende 2023 als Teil eines bis zu 540 Fahrzeuge fassenden Rahmenvertrags geordert. Die Baureihe 4884, wie sie künftig heißen wird, erreicht zwar nur bis zu 160 km/h, könnte aber auf dem vorgesehenen Streckennetz ohnehin in weiten Teilen nicht schneller fahren. Es handelt sich nämlich um das Interregio-Netz im inneralpinen Raum zwischen Graz, Klagenfurt, Bruck an der Mur, Salzburg, Wörgl und Innsbruck, welches im Dezember 2025 an den Start ging. Im Vergleich zu herkömmlichen Mireos ist die ÖBB-Ausführung leicht breiter und verfügt zudem über klassische Drehgestelle anstatt Jakobs-Drehgestellen, was wohl für etwas mehr Laufruhe sorgen wird.
Österreich

Stadler KISS als Railjet Dosto für die ÖBB
Mehr Kapazität soll auch ein anderer Neuzugang bei den ÖBB schaffen: Der Stadler KISS in der Railjet-Variante. Schon Mitte 2025 haben die ÖBB ihren ersten Komfortablen, Innovativen, Spurtstarken S-Bahn-Zug präsentiert, so das Akronym KISS. Nun, in wenigen Monaten, zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 ist es soweit und die Fahrzeuge gehen zwischen Wien und Salzburg in den Betrieb. Und weil die Einheiten durchaus frischen Wind in die ÖBB-Flotte bringen, ist wohl ein Exemplar auf der InnoTrans gelandet. Schließlich handelt es sich auch um das erste KISS-Fahrzeug mit Fernverkehrs-Front, die an den Flirt 4 angelehnt ist. 14 RJ-Einheiten mit 200 km/h sind insgesamt bestellt, dazu kommen drei ebenfalls 200 km/h schnelle CityAirportTrain-Einheiten sowie 109 Regionalverkehrs-Einheiten mit 160 km/h. Die ersten davon sind bereits seit Mitte des Jahres im Wiener Raum unterwegs. 186 Fahrzeuge lässt der Rahmenvertrag insgesamt zu, wobei 126 fest geordert sind. Potenzial besteht also noch für weitere Exemplare.
Deutschland

Hitachi ETR 1000 als Frecciarossa für Trenitalia
Wie man sieht, ist der italienische Markt dieses Jahr eines der Topthemen auf der InnoTrans, was sicherlich auch an den aktuellen Hintergründen im Fernverkehrsbereich liegt. Nicht ganz so aktuell und neu ist das Grundmodell des ETR 1000 von Hitachi. Allerdings unterliegt es stetiger Weiterentwicklung und wird schließlich seit 2013 in verschiedenen Serien produziert: Neben Italien ist er auch in Frankreich und Spanien unterwegs. Und war auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder auf dem Messegelände in Berlin zu sehen. Nun jedenfalls ist eine der vierzehn neuesten georderten Einheiten ausgestellt, beziehungsweise vier Wagen davon, wobei das Bordbistro, die Business- und die Executive-Class gezeigt werden. Die entsprechenden Bereiche wirken sehr edel und aufgeräumt. Im Business-Bereich gibt es etwa teilweise Scheiben zwischen den Vierer-Sitzgruppen, um mehr Privatsphäre zu schaffen. Highlight sind sicherlich die Executive-Sessel im ersten Waggon, welche wirklich edel wirken und maximalen Sitzkomfort mit mehr Beinfreiheit als nötig bieten. Fast schon stehen die Einzelsessel etwas frei im Wageninneren herum, könnte man vielleicht behaupten.

Siemens Vectron X
Neben der Stadler DuFour gibt es auf der diesjährigen InnoTrans eine Reihe weiterer Lokomotiven zu sehen: So auch den Vectron X von Siemens. Im Grunde ist das eine ganz normale Vectron-Lokomotive, wie sie mittlerweile schon über 2.000 Mal gebaut wurde. Das „X" ist nun der Indikator für die nächste Generation, die sich vor allem in punkto Software unterscheidet. Der Vectron wird nämlich integriert in das modulare digitale Ökosystem von Siemens (Siemens Xcelerator), womit mehr Interaktion zwischen der Lokomotive und etwa der Wartungsbasis stattfinden kann. Betriebsdaten, Streckeninformationen sowie digitale Services werden miteinander vernetzt und in einer einheitlichen Benutzeroberfläche integriert. Softwareupdates sollen über den Lebenszyklus kontinuierlich bereitgestellt und die Funktionalitäten entsprechend erweitert werden.

Vossloh Modula BDD für DB Cargo
Nicht nur um den Personenverkehr geht es auf der InnoTrans. Mit einer verkehrsroten Vossloh Modula BDD findet sich etwa auch eine interessante Güterzug-Lokomotive im Außenbereich. Bei der Vossloh Modula handelt es sich grundsätzlich um eine Mehrsystem-Zweikraftlokomotive, wobei die DB-Variante mit HVO-Diesel und per Akku betrieben werden kann, nicht aber unter Oberleitung. Die Verantwortlichen betonen allerdings, dass hier jederzeit ein Pantograph nachgerüstet und Betrieb unter Fahrdraht möglich gemacht werden könnte. Schließlich ist für den Akkubetrieb ja auch ein Elektromotor an Bord. 2022 hatte die DB Cargo einen Rahmenvertrag für bis zu 250 Lokomotiven für den Rangierverkehr mit Vossloh abgeschlossen, wobei 50 Einheiten fest bestellt wurden. 120 km/h sind maximal möglich, wobei diese im regulären Rangierbetrieb wohl selten ausgefahren werden dürften. Mitte 2027 sollen die ersten Modula BDD in Betrieb gehen.

Instandhaltungsfahrzeuge: Windhoff, Plasser & Theurer
Auch in punkto Instandhaltung und Instandsetzung gibt es dieses Jahr wieder einiges zu sehen: Die gelben Fahrzeuge von Plasser & Theurer oder jene von Windhoff etwa zeigen, dass auch in diesem Sektor die technologische Entwicklung weitergeht: Der Trend geht gen Automatisierung, Vernetzung und mehr europäischen Standards. Plasser & Theurer stellt zum Beispiel eine Schotterverteil- und Planiermaschine sowie eine kontinuierliche 2-Schwellen-Stopfmaschine aus. Die beiden Maschinen mit den Bezeichnungen „Plasser BallastMaster 410" und „Plasser UnimatExpress 2X-4x4" zeichnet eine ETCS-Ausstattung aus und sie sind dank ihrer modularen Bauweise abermals flexibler einzusetzen. Der Hersteller wirbt damit, dass bei beiden Produkten ein integrierter End-to-End-Ansatz verfolgt wird, der von zustandsorientierter Planung, digitaler Arbeitsvorbereitung und bis zur automatisierten Bauausführung reicht. Künftig soll bei minimalem Personaleinsatz und maximaler Autonomie der Maschinen eine höhere Effektivität auf Baustellen gewährleistet werden können.

BEMU-Fahrzeuge, Stadtbahn, Straßenbahn & Co.
Auf den 3500 Meter Gleisen des Berliner Messegeländes finden sich natürlich noch eine Vielzahl weiterer Exponate: Darunter auch solche, zu denen wir bereits berichteten. Ein Siemens Mireo Plus B steht etwa ausgestellt, wie er momentan im Probebetrieb bei der S-Bahn Mitteldeutschland unterwegs ist. Auch CAF mit seinem Civity BEMU ist vertreten, wir berichteten ja bereits in einem ausführlichen Beitrag zum geplanten größten Batteriezugnetz Europas. Und wenngleich noch eine Vielzahl weiterer Fahrzeuge, wie ein für ATO umgebauter ET 430 der S-Bahn Stuttgart oder diverse Nachtzugwagen genannt werden könnten, soll nicht unerwähnt bleiben, dass die InnoTrans ja auch mehr als nur Volleisenbahn ist. Denn so stehen auch eine Reihe Straßen-, Stadt- und U-Bahnen namhafter oder weniger bekannter Hersteller ausgestellt. Eine Straßenbahn von Skoda für Prag, eine neue Stadler-Stadtbahn für Stuttgart, eine futuristisch anmutende CRRC-U-Bahn oder die neue Siemens-Tube für die Piccadilly Line in London.

Interview mit InnoTrans-Direktorin Kerstin Schulz
Die InnoTrans feiert mit dieser Ausgabe ihr 30-Jähriges Jubiläum. InnoTrans-Direktorin Kerstin Schulz verantwortet die Messe seit 13 Jahren in dieser Position und verrät im Gespräch mit bahnblick, wohin sich die Messe in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll. bahnblick: Sie verantworten die InnoTrans seit 2013. Welche Entscheidung aus dieser Zeit war die wichtigste, und welche würden Sie heute anders treffen? Kerstin Schulz: Die wichtigste strategische Entscheidung in der Geschichte der InnoTrans war sicherlich der Bau der Gleisanlage mit Anschluss an das öffentliche Schienennetz. Die Gleise wurden ab Ende der Neunziger Jahre immer mehr, und davon profitiert die InnoTrans bis heute. Es ist ein weltweites Alleinstellungsmerkmal und war ein frühzeitiges Bekenntnis zur InnoTrans. Diese Motivation zieht sich durch alle Entscheidungen der vergangenen Jahre.
Du willst den BahnBrief jede Woche direkt ins Postfach? Kostenlos anmelden.