BahnBrief vom 28. September 2026

Entscheidung zu NBS Hamburg–Hannover erneut vertagt

Österreich

Gleise in der Abendsonne

ÖBB investieren 2,6 Mrd. Euro in Digitale Stellwerke

Die ÖBB-Infrastruktur AG will ihre Stellwerke langfristig allesamt auf digitale Stellwerkstechnik umrüsten. Dazu hat sie nun eines der größten Vergabeverfahren der vergangenen Jahrzehnte durchgeführt und vergangene Woche abgeschlossen. Siemens Mobility und Hitachi erhielten den Zuschlag für einen 2,6 Milliarden Euro schweren Auftrag für die Entwicklung und den Betrieb der neuen digitalen Stellwerke (DSTW). Die DSTWs gelten als Weiterentwicklung des elektronischen Stellwerks (ESTW). Dort wird nach wie vor mit umfangreichen (Kupfer-)Verkabelungen zwischen und zu den einzelnen Infrastrukturkomponenten mit zentraler Rechnertechnik gearbeitet, während DSTWs netzwerkbasierte Architekturen und nur mehr Daten-Verkabelung aufweist. Auch die spätere Integration von ETCS und die Ergänzungen von Anlagenteilen ist bei DSTWs erleichtert möglich. Die ÖBB sagen selber, die neue Technologie solle die Kapazität des Netzes erhöhen, die Zuverlässigkeit verbessern und gleichzeitig hohe Standards bei der Cybersicherheit gewährleisten.

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Deutschland

Eine ICE4-Doppeltraktion in Hannover Hbf

Entscheidung zur NBS Hamburg–Hannover vertagt + neues Gutachten

Mit viel Spannung war in der vergangenen Woche die angesetzte Entscheidung zur Neubaustrecke Hamburg–Hannover im Deutschen Bundestag bzw. im Verkehrsausschuss erwartet worden. Nachdem die Unterlagen der Parlamentarischen Befassung bereits seit Dezember 2025 vorliegen, wäre es damit endlich zu einem Beschluss und der Einleitung der nächsten Schritte gekommen, doch daraus wurde zunächst nichts. Kurzfristig wurde der Tagesordnungspunkt gestrichen, obwohl Unions- und SPD-Abgeordnete sich, wie es heißt, auf einen Entwurf geeinigt hätten. Zuletzt hatte es Ärger darüber gegeben, dass eine Beschlussvorlage öffentlich geworden war, während noch über Einzelheiten verhandelt wurde. In verschiedenen Stellungnahmen einzelner Regierungsmitglieder heißt es, die Bundesregierung stehe weiterhin hinter dem Ausbau der Bahn und wolle auch den Engpass zwischen Hamburg und Hannover beheben. Möglich ist sicherlich, dass das Thema schon alsbald wieder auf die Tagesordnung kommt, Gerade die Opposition, sieht das Projekt als eines der drängendsten im norddeutschen Raum. Auch Eisenbahnbetriebswissenschaftler fordern schon seit Monaten eine Entscheidung in der Sache, die nun eben seit bald zehn Monaten auf einem Fleck steht.

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Das Netz Mainfranken der BeNEX

Siemens liefert 56 Desiro HC und Mireo für Mainfranken

Siemens Mobility hat auf der InnoTrans einen weiteren Vertrag für Mireos und Desiro HC abgeschlossen: 56 Stück für die Region Mainfranken. Die BeNEX-Gruppe hat konkret 30 dreiteilige Mireos sowie 26 vierteilige Desiro High Capacity geordert. Sie sollen ab Dezember 2030 auf den Verbindungen Frankfurt–Würzburg–Nürnberg/Bamberg in Hessen und Bayern eingesetzt werden. Die Mireos haben jeweils 210 Sitzplätze, zwei Toiletten und 18 Fahrradstellplätze. Für stark nachgefragte Verbindungen kommen die 26 Desiro-HC-Züge zum Einsatz, die mit 424 Sitzplätzen, drei Toiletten und 39 Fahrradstellplätzen pro Fahrzeug deutlich mehr Kapazität als bisher schaffen. Die Bestellung der Fahrzeuge ist nun der nächste Schritt, nachdem die BeNEX den Zuschlag bereits im Juli erhielt. Das künftige Verkehrskonzept basiert auf dem bisherigen, wobei um Würzburg teilweise mehr Fahrten geschaffen werden. Die RS 1 zwischen Marktbreit und Würzburg soll zum ganztägigen Stundentakt ergänzt werden, sodass gemeinsam mit dem RE80 ein Halbstundentakt entsteht. Verstärkerzüge sollen bis Gemünden am Main verlängert, Taktlücken geschlossen und das Angebot auf den Strecken nach Kitzingen und Nürnberg ausgebaut werden.

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Der Berliner Hauptbahnhof im Jahr 2016

Großsanierung Berlin Hbf ab 2030er-Jahren

Der 2006 eröffnete Berliner Hauptbahnhof muss wohl ab den frühen 2030er-Jahren umfangreich saniert werden. Das berichten verschiedene Medien mit Verweis auf den Chef der Personenbahnhöfe in der Region Ost bei der DB InfraGO. Der Bau weise wohl nach 20 Jahren Betrieb einige Schwachstellen auf, an denen gearbeitet werden müsse. Schon länger ist bekannt, dass die DB die Kapazität der beiden Fernbahnsteige in der oberen Ost-West-Ebene erhöhen will, da es hier immer wieder zu dichtem Gedränge kommt. Schon mehrfach wurde wohl angedacht, die Lichtaugen in den Bahnsteigen zu schließen, um die Warteflächen zu verbreitern, Dann könnte es aber mit dem Architekturbüro des Bauwerks gmp zu Konflikten kommen, wird von verschiedenen Seiten spekuliert.

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Schweiz

Ein FV Desto in Sant'Antonino am Ceneri

SBB unterstützen Ausbauschritt Verkehr ’45

Alle zehn Jahre wird ein neuer Ausbauschritt des Schweizer Bahnnetzes projektiert: Momentan gilt die Zieletappe 2035 als Horizont für diverse Vorhaben. Kern des Konzept ist es grundsätzlich, gesamthafte Angebotsziele zu beschließen und nicht primär einzelne Strecken, anders als anderswo. Während sich wesentliche Ausbauten bis 2035 jedenfalls noch im Planungsstadium befinden, arbeitet das BAV bereits am Ausbauschritt für 2045 und hat eine Vorlage vorgelegt, zu der auch die SBB nun Stellung genommen hat. Grundsätzlich werden die Ziele und Maßnahmen befürwortet, wobei klar ist, dass die zur Verfügung stehenden Finanzmittel nicht ausreichen, um sämtliche Vorhaben der kommenden Ausbauschritte gleichzeitig umzusetzen. Daher haben die SBB eine Prioritätenliste aufgestellt: Erstens solle der Erhalt der bestehenden Bahninfrastruktur stehen, da die Instandhaltung, Wartung und Erneuerung wichtig seien, um die derzeitige Stabilität und Zuverlässigkeit auch langfristig zu halten. An zweiter Stelle würden laut SBB dann die Umsetzung der für den Schritt 2035 projektierten Maßnahmen stehen: Darunter Kapazitätsausbauten wie der Viertelstundentakt zwischen Zürich und Bern, zusätzliche Verbindungen in der Region am Genfersee sowie der Halbstundentakt zwischen Luzern und Bern. In einem dritten Schritt steht laut SBB dann die weitere Digitalisierung des Bahnsystems, mit der die Leistungsfähigkeit erhöht und dichterer Zugverkehr möglich wird.

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Schematische Darstellung der Situation am Lötschberg-Basistunnel

Vollausbau Lötschberg-Basistunnel beginnt 2028

Ergänzend zum Ausbauschritt Verkehr ’45 werden zwischen 2035 und 2045 aber auch weitere zusätzliche Ausbauprojekte in Betrieb gehen, die bereits weit fortgeschritten sind und keine weitere Überprüfung mehr erforderlich machen. Das ist etwa die Mehrspur Zürich–Winterthur mit dem Brüttenertunnel (wir berichteten), der Ausbau des Knotens Bern und auch der Lötschberg-Basistunnel. Denn hier ist es bereits beschlossene Sache, den sogenannten Vollausbau ab 2028 durchzuführen. Der 35 Kilometer lange und 2007 eröffnete Tunnel zwischen dem Kanton Bern und dem Wallis ist auf 21 Kilometern lediglich einspurig ausgeführt, wobei auf 14 Kilometern bereits eine zweite Röhre ausgebrochen, aber im Rohbau verblieben ist, Aus Kostengründen. Die letzten sieben Kilometer beim Nordportal Frutigen wurden nie ausgebrochen. Nun soll der restliche Ausbruch und Ausbau realisiert werden, um einen Halbstundentakt ins Wallis zu ermöglichen und mehr Flexibilität im Güterverkehr zu erreichen.

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Ein 4020 und die künftige Forschungsstrecke bei Eisenerz

Zwei ausgemusterte 4020 werden Testträger für automatisiertes Fahren am Erzberg

Die ÖBB-Infrastruktur baut auf der für den Regelbetrieb gesperrten Strecke zwischen Hieflau und Eisenerz einen ERTMS-Gesamtdemonstrator auf. Als Versuchsfahrzeuge dienen zwei Triebwagen der Reihe 4020, die bei der Wiener S-Bahn ausgemustert werden. Sie bekommen ETCS, ATO, 5G-Zugfunk und Kameras zur Hinderniserkennung. Die ersten Versuchsfahrten im Moving-Block-Betrieb sind für 2027 geplant, der Demonstrator läuft bis Mitte 2029. Danach sollen die beiden Fahrzeuge verschrottet werden. Das geht aus dem ÖBB-Jahresbericht 2025 und den Antworten der ÖBB auf einen Fragenkatalog des BahnBrief hervor. Laut Jahresbericht werden die 4020 mit einem Digitalisierungs- und Automatisierungspaket ausgestattet. Dazu gehören je eine ETCS- und eine ATO-Onboard-Unit, FRMCS-Antennen und ein Kommunikationsmodul. Die Kameras zur Hinderniserkennung sollen die Grundlage für einen späteren GoA4-Betrieb legen, also für Fahrten ohne Personal im Führerstand.

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