Infrastruktur

Erster Infraplan übergeben: Fünfjahresplan für das deutsche Schienennetz

Erster Infraplan übergeben: Fünfjahresplan für das deutsche Schienennetz

Wenige Tage vor dem Korridor-Konzept hat das Bundesverkehrsministerium den ersten sogenannten Infraplan vorgelegt. Verkehrsstaatssekretär Ulrich Lange übergab das Dokument an Philipp Nagl, den Vorstandsvorsitzenden der DB InfraGO. Der Plan umfasst die Jahre 2026 bis 2030 und soll das zentrale Steuerungselement des Bundes für die Schieneninfrastruktur werden: Der Bund gibt die Richtung vor, setzt Prioritäten und überprüft die Umsetzung.

Inhaltlich legt der Infraplan konkrete Ziele für Sanierung, Digitalisierung, Elektrifizierung und Lärmschutz fest. Ein Kennzahlensystem mit acht verbindlichen Steuerungsgrößen soll die Entwicklung messbar machen, darunter neu gebaute Gleiskilometer pro Jahr, elektrifizierte und lärmsanierte Streckenkilometer, anlagenbedingte Störungen sowie die Streckenkilometer der Korridorsanierungen.

Die bahnblick-Redaktion hat sich das 80-seitige Dokument mit seinen Projektlisten im Detail angesehen, und die Zielwerte sprechen eine deutliche Sprache. Bis 2030 sollen gerade einmal 155 Kilometer neue Gleise entstehen, nach 266 Kilometern in den Jahren 2020 bis 2025. Der Pfad dahinter ist noch ernüchternder: Auf 64 Kilometer im Jahr 2026 und 57 Kilometer 2027 folgen nur noch 16 Kilometer 2028, für 2029 ist gar kein Gleisneubau hinterlegt, und 2030 stehen noch einmal 18 Kilometer im Plan. Ähnlich bei der Elektrifizierung: Der Elektrifizierungsgrad des Netzes steigt bis 2028 auf 63,7 Prozent und stagniert dann, für 2029 weist der Plan auch hier nichts aus, für 2030 ganze 9 Kilometer neue Oberleitung. Und selbst das zentrale Qualitätsziel bleibt bescheiden: Die anlagenbedingten Verspätungsminuten haben sich von 11.843 pro Tag im Jahr 2020 auf 28.820 im Jahr 2025 fast verzweieinhalbfacht, als Zielwert für 2030 nennt der Plan 25.600 Minuten, also weiterhin mehr als das Doppelte des Niveaus von 2020.

Der eigentliche Sprengstoff steckt im Bedarfsplan-Teil des Dokuments, wo erstmals gesammelt schwarz auf weiß steht, wann die großen Ausbauprojekte in Betrieb gehen sollen. Prominentestes Beispiel ist der Rhein-Ruhr-Express: Dessen Kernstück, der sechsgleisige Ausbau zwischen Köln, Düsseldorf, Duisburg und Dortmund, zieht sich laut Plan bis weit in die 2040er Jahre. Die Abschnitte im Stadtgebiet Essen und Bochum sollen 2035 fertig werden, die Ausbauten zwischen Düsseldorf-Hellerhof und Düsseldorf-Wehrhahn 2040, und die sechsgleisigen Abschnitte von Düsseldorf über Kalkum und Angermund bis Duisburg Hauptbahnhof erst 2044. Die RRX-Züge von Siemens fahren seit Ende 2018 im Vorlaufbetrieb, auf den vollen 15-Minuten-Takt, für den die Infrastruktur gebaut wird, muss die Region damit noch fast zwei Jahrzehnte warten. Als Gesamtwert für den RRX-Ausbau nennt der Plan knapp 4,9 Milliarden Euro.

Der RRX ist kein Einzelfall. Der dreigleisige Ausbau Oberhausen nach Emmerich am Betuwe-Zulauf steht mit 2038 im Plan, die Neubaustrecke Frankfurt nach Mannheim mit 2037, der Pfaffensteigtunnel der Gäubahn mit 2033. Noch bemerkenswerter ist, was gar kein Datum mehr trägt: Die Fehmarnbelt-Hinterlandanbindung Hamburg über Lübeck nach Puttgarden ist mit gut 8 Milliarden Euro bereits im Bau, die Inbetriebnahme wird aber nur noch als "offen" angegeben. Dasselbe gilt für den Ausbau Hamburg nach Hannover mit 8,8 Milliarden Euro, den Brenner-Nordzulauf mit 11,4 Milliarden Euro, die Strecke München über Augsburg nach Ulm mit 8,2 Milliarden Euro und die Schnellfahrstrecke Hannover nach Bielefeld. In den Teilen C und D der Listen, also bei allen Projekten in Vorplanung oder Grundlagenermittlung, trägt kein einziges Vorhaben ein Inbetriebnahmejahr. Den Schlusspunkt setzt das Ministerium selbst: Im letzten Satz des Dokuments behält sich das BMV eine Aktualisierung aller Zeitpläne vor.

Land: DeutschlandVerkehrsbetrieb: DBTyp: ElektrifizierungTyp: GeneralsanierungTyp: Störung

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 13. Oktober 2026.