Fahrzeuge

Abschied vom Intercity 1: Die DB stellt ihre letzten klassischen Fernverkehrswagen ab

Abschied vom Intercity 1: Die DB stellt ihre letzten klassischen Fernverkehrswagen ab

Wie es kommen musste, ist es nun gekommen: Am 10. Oktober hat die Deutsche Bahn den Intercity 1 offiziell verabschiedet. Mit Sternfahrten von Hamburg-Altona und München nach Wiesbaden endete nach 55 Jahren die Ära der klassischen lokbespannten Fernverkehrswagenzüge. In Wiesbaden wurden Wagen und Lokomotiven aus fünfeinhalb Jahrzehnten Intercity-Geschichte ausgestellt, darunter die ikonische Baureihe 103. Gegen 18 Uhr machte sich der letzte Intercity 1 mit dem Schriftzug Machs gut, Intercity 1 auf die Rückfahrt nach Hamburg-Altona, wo die Wagen endgültig abgestellt wurden. Zuletzt liefen die IC1 nur noch auf touristischen Verbindungen nach Sylt und ins Allgäu, wo seit Mai beziehungsweise Juli der ICE L übernommen hat.

Verwunderlich ist der Abschied trotzdem, denn an Kapazität mangelt es im deutschen Fernverkehr. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie knapp das Sitzplatzangebot im Vergleich der drei DACH-Bahnen ist. Betrachtet man die festen Fernverkehrsgarnituren mit mindestens 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, kommt die SBB auf 166 Garnituren mit 82.335 Sitzplätzen, das sind 9,02 Sitzplätze je 1.000 Einwohner. Die ÖBB erreichen im Tagesfernverkehr mit 85 Garnituren und 35.291 Sitzplätzen einen Wert von 3,83 je 1.000 Einwohner, inklusive der neuen Nightjets mit ihren Sitz-, Liege- und Schlafplätzen sind es 4,41. Die DB kommt mit rund 418 Garnituren auf etwa 230.200 Sitzplätze, was bei über 83 Millionen Einwohnern nur 2,76 Sitzplätze je 1.000 Einwohner ergibt.

Damit hat die SBB pro Einwohner rund 3,3-mal so viele Sitzplätze in schnellen Fernverkehrszügen wie die DB, die ÖBB immerhin 1,4-mal so viele. Interessant ist dabei: Bei der reinen Zuganzahl pro Kopf war der Schweizer Vorsprung sogar noch größer, Deutschland kompensiert einen Teil durch deutlich größere Züge. Ein 13-teiliger ICE 4 bietet 918 Sitzplätze, ein Giruno 405, ein klassischer Railjet 404 beziehungsweise 432. An der Grundaussage ändert das nichts: Ausgerechnet das Land mit dem knappsten Sitzplatzangebot pro Kopf stellt funktionsfähige Fernverkehrswagen ab.

Die IC1-Wagen leben bei Flixtrain weiter

Immerhin: Ein großer Teil der ausgemusterten Wagen erfreut nun die Konkurrenz. Der Wagenvermieter Train Rental International (TRI) hat der DB ehemalige IC1-Wagen abgekauft und langfristig an Flixtrain vermietet. Der Vertrag umfasst nach Branchenberichten 120 Wagen. Rund 100 davon sind bereits übernommen, wurden in den tschechischen Werkstätten in Budweis modernisiert und sind seit August im Einsatz. Die ex-DB-Wagen verfügen konstruktionsbedingt alle über eine Klimaanlage, was die bisherigen Flixtrain-Wagen aus ehemaligen Interregio-Beständen gerade nicht bieten. Was der DB nicht mehr gut genug war, wird beim Wettbewerber also zum Premium-Produkt.

Flixtrain ist dabei nicht der einzige Abnehmer. Die bulgarische Staatsbahn BDŽ hatte zunächst 76 IC1-Wagen für rund 15,6 Millionen Euro gekauft und 2026 weitere 91 Wagen nachgeordert. Dazu kommt die spanische Renfe, die über ihre Vermietungstochter Renfe Alquiler im Januar 2026 eine offiziell nicht bezifferte Zahl an Wagen direkt von der DB erworben hat und sie für 15 Jahre an Leo Express verleast, im Einsatz unter anderem auf der Verbindung Frankfurt nach Bohumín (die bereits schon wieder eingestellt wurde) und ab Dezember auf der Achse Prag nach München. Zusammengerechnet hat die DB damit allein an TRI und BDŽ rund 270 bis 290 Wagen abgegeben, die bei anderen Bahnen teils noch jahrelang im Fernverkehr laufen werden. Treffender lässt sich die Kapazitätslage im deutschen Fernverkehr kaum zusammenfassen.

Land: DeutschlandVerkehrsbetrieb: ÖBBVerkehrsbetrieb: DBVerkehrsbetrieb: SBB

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 13. Oktober 2026.