Wie Engenium mit railTRAQ Radlasten im Betrieb messen kann

Alles, was zwischen Zug und Gleis passiert, spielt sich auf einer Fläche von der Größe einer Münze ab. Am Rad-Schiene-Kontakt wirken Kräfte von mehreren Tonnen. Dort entstehen Verschleiß und Flachstellen, und dort entscheidet sich, wie lange Rad und Schiene halten. Bislang blieb dieser Punkt weitgehend unsichtbar.
Das will das Grazer Unternehmen Engenium mit seinem patentierten Verfahren railTRAQ ändern. Eine Messfolie auf dem Schienensteg erfasst bei jeder Überfahrt, wie sich die Schiene verformt. Aus diesen Daten rechnet ein digitaler Zwilling die Kräfte in allen drei Achsen aus. Zusätzlich bestimmt er den tatsächlichen Radaufstandspunkt, also die Stelle, an der das Rad die Schiene berührt. Laut Engenium ist das weltweit einzigartig. Gemessen wird im Regelbetrieb, unter Last und bei Geschwindigkeiten von 5 bis über 350 km/h.
Drei Anwendungen stehen im Fokus. Erstens wiegt das System Züge während der Fahrt. Die vertikale Radkraft soll auf rund ein Prozent genau bestimmt werden, daraus ergeben sich Achs-, Waggon- und Zuglast. Überladung und Schiefbeladung fallen so in Echtzeit auf. Zweitens die Instandhaltung: Flachstellen erkennt das System über die Akustik, ein hohl gelaufenes Radprofil am größeren Abstand der beiden Aufstandspunkte einer Achse. Drittens die Dauerüberwachung. Jede Überfahrt wird automatisch dokumentiert und per RFID dem Fahrzeug, der Achse und dem einzelnen Rad zugeordnet.
Die Messstelle arbeitet autonom und schickt fertige Berichte in die Cloud oder direkt in die Software der Betreiber. Der Einbau dauert zwei bis drei Stunden, braucht keine Bohrungen und keinen Eingriff in den Oberbau. Und er ist im laufenden Betrieb möglich.
Zur Einordnung: Gleisseitiges Wiegen im Betrieb bieten auch andere Hersteller an, etwa Kistler. Neu wäre bei railTRAQ also vor allem der Folienansatz und die Messung des Aufstandspunkts. Über 70.000 Stunden Erprobung bei mehreren führenden Bahnen in Europa nennt Engenium. Aushängeschild ist die Messstelle an der Koralmbahn, einer der modernsten Hochleistungsstrecken Europas. Das Versprechen an Betreiber, Halter und Werkstätten: Entscheiden nach Messdaten statt nach Intervall oder Erfahrung.
Mehr zu railTRAQ, dem Digital Twin-based Wheel-Rail Monitoring System, unter www.engenium.at/loesungen/railtraq
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Zuerst erschienen im BahnBrief vom 13. Oktober 2026.