BahnBrief vom 14. September 2026

Lübeck klagt gegen Fehmarnbelt-Anbindung I Nightjet-Vorverkauf 2027

Deutschland

Haltestellenschild für Schienenersatzverkehr vor einer Reihe magentafarbener MAN-Ersatzverkehrsbusse.

DB reduziert Generalsanierungen auf zwei pro Jahr

Die Baupläne der Deutschen Bahn verzögern sich um Jahre. DB-Chefin Evelyn Palla erklärte vergangene Woche vor Journalisten in Berlin, dass vier Generalsanierungen pro Jahr zu viel seien, künftig rechne sie mit zwei, bei besonderen technischen Notwendigkeiten mit drei Sanierungen pro Jahr. Das überarbeitete Konzept wird derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und soll bald vorgestellt werden. Genaue Jahreszahlen für die verschobenen Korridore nannte Palla nicht. Die Ankündigung ist ein bemerkenswertes Eingeständnis nach einem Jahr, in dem kaum eine Korridorsanierung ohne Probleme über die Bühne ging: Hamburg nach Berlin endete mit Verzögerung, Nürnberg nach Regensburg brauchte drei Wochen länger, bei Hagen über Wuppertal nach Köln wurde am letzten Bautag eine marode Brücke entdeckt und die Strecke nur eingleisig freigegeben. Die Streckung des Programms bedeutet aber auch: Das marode deutsche Netz wird die Züge noch deutlich länger ausbremsen als geplant, und die für die Folgejahre vorgesehenen Korridore rutschen weiter nach hinten.

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Fehmarnbelttunnel auf Deutscher-Seite Bauarbeiten. Man sieht schon umrisse.

Lübeck klagt gegen die Fehmarnbelt-Hinterlandanbindung

Die Hansestadt Lübeck hat beim Bundesverwaltungsgericht Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes für die Hinterlandanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung im Planfeststellungsabschnitt Lübeck eingereicht. Die Klage erfolgte kurz vor Ablauf der Frist am 14. September, die Klagebegründung muss binnen zehn Wochen nachgereicht werden.

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Österreich

Einzelabteil im neuen ÖBB-Nightjet  LUNA Wagen mit frisch bezogenem Bett, orangefarbener Decke, Nightjet-Kissen und Steckdose an der Kabinenwand.

Nightjet-Vorverkauf 2027 gestartet: 360 Tage Vorlauf und LUNA-Comeback

Die ÖBB haben den Vorverkauf für Nightjet-Reisen im Fahrplanjahr 2027 gestartet, rund sechs Wochen früher als bisher üblich. Gleichzeitig wurde die Vorverkaufsfrist von 180 auf 360 Tage verlängert, Nachtzugreisen lassen sich damit erstmals ein ganzes Jahr im Voraus buchen. Die Fahrplandaten der Nightjets sind bereits in der ÖBB-APP abrufbar und buchbar. Der frühere Vorverkaufsstart und die erweiterte Buchungsfrist gelten ausschließlich für direkte Nightjet-Verbindungen, Tickets für EuroNight-Verbindungen sowie Zubringer- und Anschlussverbindungen folgen im Herbst. Laut Buchungswebseite kommt es im Fahrplanjahr 2027 aufgrund von Bauarbeiten bei gleich vier Italien-Verbindungen zu Einschränkungen. Der Nightjet Wien nach Rom fährt von Anfang Mai bis Ende August nur von und nach Bologna, die Halte Florenz und Rom entfallen. Die Verbindung München nach Rom fällt von Anfang Februar bis Anfang Mai komplett aus und verkehrt anschließend bis Ende August ebenfalls nur bis Bologna. Der Nightjet Wien nach Venedig kann von Ende Mai bis Mitte Juli gar nicht angeboten werden, die Verbindung Stuttgart nach Venedig entfällt sogar von Anfang Februar bis Mitte Juli. Wer 2027 mit dem Nachtzug nach Italien will, sollte die Reisedaten also sehr genau prüfen: Vor allem im Frühjahr und Frühsommer ist das Italien-Angebot massiv ausgedünnt.

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Deutschland

Seitenansicht des Führerstandskopfs eines weißen ICE mit rotem Zierstreifen und ICE-Schriftzug, Wagennummer 9005, vor grünen Bäumen.

Palla kündigt Next-Level-ICE an

DB-Chefin Evelyn Palla hat vergangene Woche in Berlin angekündigt, das Produkt ICE grundsätzlich neu zu denken. Es gehe nicht um sauberere Züge oder eine funktionierende Innenausstattung, sondern um das Kundenerlebnis und das Produkt ICE an sich, so Palla. Der genaue Plan soll in den kommenden Wochen vorgestellt werden. Man habe sich viele Fernverkehrskonzepte in anderen Ländern angeschaut und die Frage gestellt, was in Deutschland funktionieren könnte. Der Fernverkehr soll nach Pallas Worten das Aushängeschild der DB werden. Hintergrund ist auch die wachsende Konkurrenz auf der Schiene: Ab 2028 drängen die italienische Privatbahn Italo und eine stark vergrößerte Flixtrain-Flotte auf den deutschen Markt. Was genau hinter dem Next-Level-ICE steckt, bleibt vorerst offen, die bahnblick-Redaktion wird die Vorstellung des Konzepts genau verfolgen.

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Karte der European-Sleeper-Verbindungen: die orange Linie Paris–Berlin sowie die hellblaue Linie Brüssel–Prag über Amsterdam, Hamburg und Dresden, dazu die Strecke über Köln und Aarau nach Como und Ma

European Sleeper: Nachtzug Brüssel nach Mailand ist gestartet

Am 9. September ist die dritte Nachtzugverbindung von European Sleeper in den Betrieb gegangen: Der Zug verbindet nun dreimal wöchentlich Brüssel über Lüttich, Aachen, Köln und Zürich mit Mailand. Auf dem italienischen Abschnitt wird der Zug von Arenaways gefahren, ab dem Fahrplanwechsel im Dezember folgt die Verlängerung in die Niederlande. In der Schweiz verläuft der Zug vorerst über Zürich und die Gotthard-Bergstrecke, da die ursprünglich geplante Route über den Simplon wegen Bauarbeiten bis 2027 nicht befahrbar ist. Die Ersatzroute bringt dabei durchaus attraktive Halte mit sich: Göschenen bietet Zugang zu den Skigebieten am Gotthard, Lugano und Como erschließen die oberitalienischen Seen. Abfahrten ab Brüssel sind montags, donnerstags und samstags, zurück geht es ab Mailand mittwochs, freitags und sonntags. Ein Budget-Sitzplatz startet bei 29,99 Euro, ein Liegeplatz ab 49,99 Euro.

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Schweiz

Renato Fasciati, Direktor der Rhätischen Bahn, im Gespräch an seinem Schreibtisch. Das Büro ist mit Arvenholz getäfelt, im Hintergrund stehen ein rotes Modell einer RhB-Lokomotive auf dem Sideboard un

„Wir investieren im Durchschnitt jeden Tag eine Million Franken"

Renato Fasciati führt die Rhätische Bahn seit über zehn Jahren. In dieser Zeit ist die Nachfrage der Bündner Schmalspurbahn deutlich stärker gewachsen als die der Branche insgesamt. Im Gespräch mit bahnblick spricht der Direktor über die Baustellenkoordination in einem Netz ohne Ausweichrouten, über Sanierungsverfahren unter laufendem Betrieb, über das Verhältnis von Tourismus und Daseinsvorsorge und über die nächsten Beschaffungen. bahnblick: Herr Fasciati, Sie sind seit über zehn Jahren Direktor der Rhätischen Bahn. Auf welchen Tag blicken Sie am liebsten zurück? Renato Fasciati: Der emotionalste Tag war sicher der Weltrekordversuch Ende Oktober 2022. Ich durfte in den letzten zehn Jahren aber sehr viele schöne Erlebnisse haben: neue Züge, ein neuer Albulatunnel, Werkstätten, die wir umbauen durften. Es sind sehr viele Highlights, die mich erfreuen. bahnblick: Was hat sich in diesen zehn Jahren am stärksten verändert? Fasciati: Die größte Veränderung war sicher, dass sich die Nachfrage massiv erhöht hat. Als ich begonnen hatte, lagen etwa fünf schwierige Jahre hinter uns. Die Nachfrage war sogar zurückgegangen, weil der schwache Euro beziehungsweise der starke Schweizer Franken auf die Nachfrage gedrückt hat. Das hat sich in den letzten Jahren massiv verändert, mit dem Corona-Knick in der Mitte.

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