Infrastruktur

Trassenpreise 2027 steigen um ca. 8 %: Erste Abbestellungen real

Die S-Bahn Dresden in Meißen

Das Thema Trassenpreise ist mittlerweile ein leidiges in Deutschland. Noch immer gibt es keine Anzeichen einer nahenden Reform des Systems seitens des Bundes, wie sie seit Monaten gefordert wird. Anfang des Jahres war die deutsche Trassenpreisbremse für den Schienenpersonennahverkehr durch ein europäisches Gericht gekippt worden; seitdem gibt es Befürchtungen, dass gerade in den kommenden Jahren überproportionale Steigerungen der Trassenpreise, eben vor allem für den SPNV, zu Angebotskürzungen führen.

Und so, wie es aussieht, sind die Befürchtungen real: Denn nachdem die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde den eigentlich durch die DB InfraGO beantragten Umfang der Trassenpreise für 2027 nicht genehmigt, sondern mit einer geringeren Obergrenze gedeckelt hatte, klagte die InfraGO – wir berichteten. Das Verwaltungsgericht Köln hat ebendieser Klage nun stattgegeben und das Volumen gar erhöht: Angemeldet hatte die DB ursprünglich 7,55 Milliarden Euro Einnahmen aus den Trassenpreisen in 2027, die BNetzA schließlich 7,3 Milliarden genehmigt. Nach der VG-Köln-Entscheidung dürfe die Bahn jetzt sogar 8,2 Milliarden umlegen.

Erst gestern (5.10.) hat die DB allerdings angekündigt, diese erhöhte Obergrenze nicht ausschöpfen zu wollen. Die Trassenpreise sollen durchschnittlich um 7,9 % steigen, was einem erwarteten Zielerlös von 7,5 Milliarden Euro entspricht. Im Güterverkehr sollen die Preise um 12,9 %, im Fernverkehr um 5,0 % und im SPNV um 7,7 % steigen.

Sachsen kündigt erste Kürzungen an

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Bernreiter, kritisiert die Ankündigung und will weitere Steigerungen nicht hinnehmen. In Sachsen werden derweil Tatsachen geschaffen und erste Einschränkungen ab dem kommenden Fahrplanwechsel im Dezember angekündigt: Vor allem schwach nachgefragte Fahrten in der Weihnachts- und Sommerferienzeit und am Wochenende sind betroffen. Es geht etwa um das Angebot der Linien RB 80, 81, 83, mehrere Linien der City-Bahn Chemnitz. Die S3 der S-Bahn Dresden solle grundsätzlich auf den Abschnitt Dresden–Tharandt beschränkt werden und nicht mehr nach Freiberg verkehren. Auch die S-Bahn zum Dresdner Flughafen solle, zumindest sonntags, eingedampft werden. Weitere Einschnitte seien im Gespräch, wenngleich man das Angebot eigentlich ausbauen wolle, so der Geschäftsführer des regionalen Verkehrsverbundes. Ähnlich dürfte es sicherlich vielen Verbünden deutschlandweit gehen.

Die Entscheidung des VG Köln ist derweil nicht anfechtbar. Für 2028 will die DB dann weitere Steigerungen beantragen und auf einen Zielerlös von 8,6 Milliarden Euro kommen.

Land: DeutschlandVerkehrsbetrieb: DBTyp: Trassenpreise

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 6. Oktober 2026.