Personenverkehr

Westbahn startet mit neuen Zügen auf neuer Strecke

Oft ist der Name Programm - aber nicht immer. Eine Ausnahme dieses Sprichworts hat letzte Woche die mehrheitlich private Westbahn geliefert, die nun auf der Südstrecke zwischen Wien und Villach unterwegs ist. Auch wenn der Name gleich bleibt: Die Fahrzeuge tun es nicht. Denn das Lichtraumprofil der Semmering-Bergstrecke erlaubt keinen Betrieb mit Doppelstockzügen, sodass man entgegen der eigentlichen Strategie einstöckige Züge suchte und in Form von drei SMILE 250 von Stadler Ersatz fand. Die Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge wurden aus ungenutzten Produktions-Slots der SBB übernommen und wurden deshalb bis auf die Lackierung der Front identisch zu ihren Schweizer Geschwistern ausgeliefert.

Somit hat die Westbahn nahezu alle Änderungen, wie etwa die Folierung oder das Neubeziehen der Sitze mit Leder selbst in Österreich durchgeführt. Aufgrund des hohen Anteils an 1.Klasse-Plätzen der SBB wurde der Großteil dieser Wagen in die Comfort 2+-Klasse umfunktioniert. So kommen Besitzer:innen des Klimaticket Ö kostenfrei in den Genuss einer 1.Klasse-Konfiguration mit 2+1-Bestuhlung. Die tatsächliche 1. Klasse hebt sich nur durch größere Tische und einen Service am Platz ab. Einen detaillierten Einblick in den Zug erhältst Du in unserem aktuellen Video auf YouTube. Die 250 km/h Höchstgeschwindigkeit erlaubt eine um nur wenige Minuten längere Fahrzeit zwischen Wien und Villach im Vergleich zum RJX - trotz häufigerer Halte. Ein Manko ist aber der Takt: Nur drei Züge werden seit dem Start am 01. März pro Tag und Richtung angeboten. Nach Ende der Bauarbeiten am Semmering wird die Anzahl auf fünf Fahrten pro Tag ausgeweitet. Ein dichterer Takt ist aufgrund der nur drei Fahrzeuge nicht möglich. Bereits mit diesem Konzept wird ohne Reserven gefahren.

Ein Zug kostet rund 40 Millionen Euro und kommt somit im Schnitt deutlich teurer als etwa ein ICE 4. Die Westbahn least die Fahrzeuge deshalb für sechs Jahre. Danach bleibt die Möglichkeit für eine Verlängerung des Vertrags, den Kauf der Züge oder die Rückgabe an den Hersteller. Für 2030 ist die Fertigstellung des Semmering-Basistunnels geplant. Von diesem Zeitpunkt an möchte man die Südstrecke im Stundentakt bedienen - im bewährten Konzept mit Doppelstockzügen. Bis dahin wird die Branche aber mit Sicherheit noch andere Ausweitungen des aktuell stark wachsenden Bahnunternehmens sehen.

Land: ÖsterreichHersteller: StadlerVerkehrsbetrieb: WestbahnVerkehrsbetrieb: SBB

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 2. März 2026.