Taskforce „Zuverlässige Bahn“ will Joker-Gleise und Flex-Abfahrten

Vergangene Woche (20.03.2026) hat die durch den Bundesverkehrsminister eingerichtete Taskforce „Zuverlässige Bahn“ ihren Abschlussbericht vorgelegt. Diese umfasst 22 kurzfristig in den nächsten zwei Jahren umsetzbare Maßnahmen mit dem primären Ziel, die Betriebsstabilität und Pünktlichkeit im deutschen Schienenverkehr spürbar zu verbessern.
Zu den zentralen Maßnahmen zählt die Einführung sogenannter „Joker-Gleise“, also bewusst freigehaltener Bahnsteiggleise an hochbelasteten Knotenpunkten, um bei Störungen flexibel disponieren zu können. Ergänzend sollen „Flex-Abfahrten“ etabliert werden, bei denen die operative Abfertigung geringfügig vor die publizierte Abfahrtszeit vorgezogen wird, um pünktliche Abfahrten zu sichern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Fahrplan- und Kapazitätsrobustheit: Größere Zeitpuffer zwischen Zugfahrten sollen die Übertragung von Verspätungen reduzieren. Parallel wird die Disposition durch Digitalisierung gestärkt, etwa mittels KI-gestützter Assistenzsysteme und beschleunigter Kommunikationsprozesse und vorbereiteten Dispositionsregeln im Störungsfall. Mehr Personal an Bahnsteigen soll Ein- und Ausstiegsprozesse beschleunigen und so Standzeiten verkürzen. Flankierend werden verbesserte Baustellenkoordination, engere Abstimmungen zwischen Infrastrukturbetreiber und Verkehrsunternehmen vorgeschlagen.
Angebotsreduktionen werden lediglich als ultima ratio betrachtet, während langfristig insbesondere der Kapazitätsausbau der Infrastruktur als entscheidend für nachhaltige Zuverlässigkeit hervorgehoben wird. Das sehen auch kritische Stimmen so, wobei in verschiedenen Reaktionen etwa moniert wird, wie denn „Joker-Gleise“ in hochbelasteten Hauptbahnhöfen wie Hamburg oder Hannover zur Verfügung gestellt werden sollten. DB InfraGO-Chef Philipp Nagl etwa hat in der vergangenen Woche hingegen die Diskussion rund um eine Angebotsreduktion auf der Schiene neu befeuert: Er meint, man müsse sich die Grundsatzfrage stellen, ob man mehr unpünktliche oder weniger und dafür pünktlichere Züge im hochbelasteten Netz haben wolle. Ginge es nach ihm, so müssten für die Zeit der Netzsanierungen und anstehenden Ausbauvorhaben politische Richtungsentscheidungen getroffen werden.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 23. März 2026.