Personenverkehr

Silverstar Railways: Die Wien–Villach-Anmeldung war nur ein Verfahrenstest

Lange war es ruhig um Silverstar Railways. Im Oktober 2024 hatte das Unternehmen bei der Schienen-Control den Start zweier kommerzieller Verkehre angemeldet: viermal täglich Wien–Villach über die Koralmbahn ab 1. Mai 2026 sowie eine internationale Verbindung Wien–Venezia. . Ende Jänner folgte dann der bisher sichtbarste Schritt: eine offizielle Loktaufe der ersten Lokomotive am Wiener Hauptbahnhof. Seither hat das Unternehmen in mehreren Interviews einiges richtiggestellt und das Bild fällt deutlich anders aus als die ursprünglichen Anmeldungen vermuten ließen.

Die wichtigste Klarstellung: Die angemeldete Verbindung Wien–Villach mit vier täglichen Zügen über die Koralmbahn wird so nicht stattfinden. Laut Patrick Kröll (CEO) galt die Anmeldung primär als Verfahrenstest, um den Prozess einmal vollständig durchzugehen, und gleichzeitig als „Eintrittstor", da es nun deutlich einfacher sei, Trassen zu erhalten. Operativ ist Silverstar derzeit primär im Güterverkehr und im Sonderzugsegment unterwegs: Das Unternehmen betreibt zwei geleaste Vectron-Lokomotiven (von Akiem) und stellt diese unter anderem für Museumszüge bereit.

Verkehrlich und wirtschaftlich relevant sind die Hemmnisse, die nun erstmals strukturiert öffentlich diskutiert wurden. In einer Präsentation von Silverstar Railway beim Symposium der Schienen-Control (dem Austauschformat zwischen Marktteilnehmern, Infrastrukturanbietern und Fachexpertinnen), wurden die Probleme von Silverstar Railways beim Markteintritt nach Österreich offen vorgetragen. Bestätigt wird darin, was wir bereits Anfang Jänner analysiert hatten: Neues Wagenmaterial steht nicht zur Verfügung, gebrauchtes Material ist am Markt weitgehend vergriffen. Bemerkenswert ist die Aussage, dass in Österreich bewusst keine geeigneten Wagen verkauft werden und Silverstar entsprechend ausschließlich auf den deutschen Markt zurückgreifen kann. Damit zeigt sich, dass das Hauptproblem privater Markteintreibender im österreichischen Personenfernverkehr nicht primär auf der Trassen-, sondern weiterhin auf der Fahrzeugseite liegt, eine Konstellation, die auch andere Open-Access-Projekte in Österreich seit Jahren limitiert.

Die volle Präsentation findet ihr unter:

Hemmnissen & Schwierigkeiten beim Markteintritt nach Österreich - SILVERSTAR Railway.pdf

Neue Angekündigte Strecken: Die ersten konkreten Personenverkehrspläne werden allerdings ebenfalls gennant: Laut CEO ist nun geplant ab dem kommenden Jahr eine Verbindung Wien–Bad Aussee wobei die Routenführung über Bruck an der Mur oder über Linz nicht genannt wurde, in weiterer Folge sollen Italien und Kroatien als größere Ziele folgen.

Land: ÖsterreichVerkehrsbetrieb: Silverstar RailwaysUnternehmen: Akiem

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 18. Mai 2026.