SBB-Neubeschaffungsprozess der IC 2000-Nachfolger verzögern sich

Dass die SBB mittelfristig einen Ersatz für die nach wie vor im Einsatz befindlichen Einheitswagen IV sowie die IC 2000 benötigen, ist schon länger klar. Ursprünglich sollte eine Vergabe schon Ende 2024, dann Ende 2025 erfolgen, doch nun verzögert sie sich bis 2027, wie eine SBB-Sprecherin erklärte. Verschiedene Erwägungen seien ausschlaggebend: Vor allem eine vom Bundesrat beauftragtes Gutachten bei der ETH Zürich zum «Verkehr ’45», dessen Infrastrukturprioritäten direkten Einfluss auf das zukünftige Angebot und damit auf das benötigte Rollmaterial haben. Die hierzugehörige politische Entscheidungsfindung dauert an; Verkehrsminister Rösti will die Botschaft an das Parlament Anfang 2027 vorlegen. Geplant sind Infrastrukturprojekte wie der Zimmerberg‑Basistunnel II, ein viertes Gleis in Zürich Stadelhofen, der Luzerner Tiefbahnhof sowie der Grimseltunnel. Im Fernverkehr sollen ein Viertelstundentakt Zürich – Bern und ein Halbstundentakt Bern – Luzern realisiert werden.
Parallel dazu prüfen die SBB neue Fahrzeugkonzepte, die mehr Flexibilität im Freizeitverkehr ermöglichen. Wegen steigender Velozahlen und steigenden Tourismuszahlen inklusive viel Gepäck erwägt man lokbespannte Züge, die sich leichter verlängern lassen und saisonal zusätzliche Wagen – etwa Velowagen – aufnehmen könnten. Zuletzt erwäge man aber auch wieder standardisierte Triebzüge, wie es nun heißt. Welches Fahrzeugkonzept schließlich ausgewählt wird, ist offen. Die SBB betonen jedoch, keine riskanten Neukonstruktionen wie beim FV‑Dosto zu wiederholen und auf bewährte Fahrzeuge zu setzen. Bei einem baldigen möglichen Neubeschaffungsprozess würde es sich um den umfangreichsten Auftrag seit den FV-Dostos handeln.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 23. Juli 2026.