ÖBB-Bilanz 2025: 559 Mio. Fahrgäste, aber Schwächen beim Güterverkehr

Nach SBB und DB haben nun auch die Österreichischen Bundesbahnen ihre Bilanz für 2025 veröffentlicht. Kurz gesagt: Trotz wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen haben die ÖBB ein operativ stabiles Jahr abgeschlossen, wobei in ersten Reaktionen auch auf Schwächen, etwa im Güterverkehr hingewiesen wird. Mit der Fertigstellung der Koralmbahn wurde ein zentrales Infrastrukturprojekt realisiert, welches täglich von rund 7.000 Fahrgästen genutzt wird. Insgesamt beförderte der Konzern 559 Mio. Menschen, ein leichtes Plus von 1,4 %.
Der Personenverkehr war erneut der wichtigste Ergebnisträger. Das EBT stieg durch einen Einmaleffekt beim Infrastrukturbenutzungsentgelt auf 228 Mio. €, ohne diesen auf 102 Mio. €. Die Fahrgastzahlen erreichten ein Rekordniveau, insbesondere durch Zuwächse im deutschen Nahverkehr der Tochter Arverio. Die Pünktlichkeit verbesserte sich leicht auf 94,1 %. Deutlich problematischer entwickelte sich der Güterverkehr. Die Rail Cargo Group verzeichnete ein EBT von –135,5 Mio. €, ein massiver Rückgang, der nicht nur auf die konjunkturelle Schwäche zurückzuführen ist. Wertberichtigungen von 81,1 Mio. €, Verluste im Agrarsektor sowie strukturelle Wettbewerbsnachteile gegenüber der Straße zeigen tiefere Probleme. Trotz eines Umsatzanstiegs um 6 % sank die Transportleistung um 4 %. Die ÖBB reagieren mit Produktbereinigungen, organisatorischen Einschnitten und Effizienzmaßnahmen, doch bleibt die Sparte klar defizitär. Die Gewerkschaft vida sieht in dieser Nachricht einen grundlegenden Appell für eine Trendwende. Der Gütertransport sei schließlich nicht nur der größte Hebel zur Erreichung der Klima- und Verlagerungsziele, sondern auch zentral für die Versorgungssicherheit in Österreich und Europa.
Die Infrastruktur der ÖBB Infra erzielte ein EBT von 15,1 Mio. € und erhöhte die Betriebsleistung auf 177 Mio. Zugkilometer. Trotz staatlich vorgegebener Einsparungen investierte der Konzern über 5 Mrd. €, vor allem in Tunnelprojekte und erneuerbare Energie. 25 neue PV‑Anlagen steigerten die Bahnstromproduktion auf 65 GWh. Der Personalstand wuchs um knapp 800 Mitarbeiter:innen auf 48.249 Beschäftigte, der Frauenanteil stieg leicht. Das Konzernergebnis vor Steuern sank auf 68,1 Mio. € (–40 % gegenüber 2024).
Für 2026 erwarten die ÖBB weiter steigende Fahrgastzahlen, auch durch die vielen Bestellungen von Wagenmaterial und eine leichte Erholung im Güterverkehr.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 21. April 2026.