NBS Hamburg–Hannover: Weiterhin Konfliktlinien nach Verkehrsausschuss-Anhörung

Seit Jahren und Jahrzehnten debattieren Bahnexperten und die Regionalpolitik über den Ausbau der Bahninfrastruktur zwischen Hamburg und Hannover. Der Bundesverkehrswegeplan sieht bekanntlich eine zweigleisige Neubaustrecke zwischen den beiden Metropolen vor, die nicht nur erhebliche Mehrkapazitäten schafft und dadurch die zu 147 % ausgelastete Bestandsstrecke entlastet, sondern zugleich Fahrzeitverkürzungen und den Deutschlandtakt ermöglicht. Auch soll sie mehr Regionalverkehre auf der Bestandsstrecke über Celle, Uelzen und Lüneburg sowie deutlich mehr Güterverkehre für die Hafenwirtschaft in Hamburg ermöglichen.
Gestern (20.4.) fand nun eine Expertenanhörung im Verkehrsausschuss des Bundestages statt. Während regionalpolitische Akteure in Teilen grundsätzlich gegen den Bau einer neuen Strecke entlang der A7 sind, betonen Vertreter der Bahn und von Verbänden, etwa der Hafenwirtschaft und der Fahrgäste, sowie Fachwissenschaftler die Vorteile des Neubaus. Der Ausschuss hat im Grunde die seit Jahren bestehende große Diskrepanz zwischen Befürwortern und Gegnern aufgezeigt und weniger zu einem Konsens geführt. Das Eisenbahn-Bundesamt befürwortet die von der DB InfraGO vorliegenden Grobplanungen für eine Vorzugsvariante mit möglichen Kosten von mindestens etwas über acht und bis zu 14 Milliarden Euro inklusive möglicher Zusätze wie Regionalhalte oder übergesetzlichem Lärmschutz sowie Verzögerungsrisiken. Bei einem positiven Votum der Politik, schnellen Beschlüssen und auskömmlicher Finanzierung könnte eine Inbetriebnahme noch Mitte der 40er-Jahre erfolgen; ein realistischer Termin dürfte wohl eher auf 2050 zu datieren sein. Klar wurde überdies die notwendige kurzfristige Verbesserung der Situation auf der Bestandsstrecke, die bis dahin ja erforderlich ist. 2029 steht deren Generalsanierung an. Die Debatte verdeutlicht einmal mehr, wie offen die Konfliktlinien zwischen regionalpolitischen, verkehrlichen und wirtschaftlichen Interessen sind.
Das Land Niedersachsen selber positioniert sich zwar gegen das Vorhaben, sechs andere Bundesländer haben aber einen offenen Brief pro Neubaustrecke unterzeichnet.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 21. April 2026.