Last-Minute-Tarif im Fernverkehr ab 9. Mai

Im Bahnsektor galt bislang eine eiserne Regel: Je früher gebucht, desto günstiger das Ticket. Frühbucher:innen werden mit niedrigen Sparpreis-Kontingenten belohnt, Restplätze kurz vor der Fahrt zum vollen Flexpreis verkauft. Die Deutsche Bahn dreht diese Logik nun zumindest in Teilen um und übernimmt eine Mechanik, die aus dem Luftverkehr seit Jahren bekannt ist: den Last-Minute-Tarif. Was bei Airlines selbstverständlich ist, ist im deutschen Fernverkehr ein Novum.
Konkret können Fahrgäste ab dem 9. Mai jeweils am Samstag und Sonntag Tickets für Verbindungen der kommenden Woche zu Sonderkonditionen buchen. Einstiegspreis ist 6,99 Euro, der BahnCard-Rabatt ist zusätzlich anrechenbar, Kinder fahren wie im sonstigen Tarif kostenlos mit. Wie bei Sparpreisen handelt es sich um ein kontingentiertes Angebot, das nur für Züge mit ausreichend freier Kapazität geöffnet wird. Außerhalb der Hauptreisezeiten dürfte die Verfügbarkeit entsprechend höher liegen. Das Angebot ist auf zunächst sechs Monate befristet, eine Verlängerung wird laut Fernverkehrsvorstand Michael Peterson offengehalten.
Strategisch zielt die DB damit auf zwei Ebenen: Zum einen auf eine Kundengruppe, die spontane Reisen heute primär mit Auto oder Bus plant; zum anderen auf eine Annäherung an Tarifmodelle des privatwirtschaftlichen Wettbewerbs. FlixTrain arbeitet seit Längerem mit dynamischen, oft sehr günstigen Last-Minute-Preisen, und mit dem geplanten Markteintritt von italo sowie weiteren Anbietern dürfte der Druck auf die klassische Frühbucher-Logik der DB weiter zunehmen.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 4. Mai 2026.