Infrastruktur

Kritik an Spar-Ausbau Leipzig–Chemnitz

Die 81 Kilometer lange Bahnstrecke Leipzig–Chemnitz soll ausgebaut werden. Wie wir bereits im April berichteten, ist die Elektrifizierung sowie der zweigleisige Ausbau schon seit Jahren geplant, um künftig nicht nur einen 30-Minuten-Takt im Regionalverkehr, sondern auch Fernzüge bis nach Chemnitz anbieten zu können. Der Südabschnitt von Chemnitz bis Geithein ist bereits fest durchgeplant, die Finanzierung gesichert und soll ab 2032 angegangen werden. Für die 44 Kilometer zwischen Geithein und Leipzig waren eigentlich 500 Millionen Euro aus einem Sondertopf für die Kohleregion vorgesehen – Doch die tatsächlichen Kosten liegen Stand februar 2026 bei 1,32 Milliarden Euro. Eine Machbarkeitsstudie hat nun die Ausbau-Möglichkeiten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass nur 24 der 44 verbliebenen Kilometer zweigleisig ausgebaut werden sollten: Das kostet 531 Millionen Euro inklusive Risikopuffer. Dieser Ausbau könnte also größtenteils durch den bislang vorgesehenen Topf finanziert werden. Für die Elektrifizierung kommen dann noch einmal 149 Millionen Euro hinzu, welche aus über die Förderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes bezahlt werden sollen. Insgesamt sind es also 630 Millionen Euro, die der abgespeckte Ausbau kosten soll. Die 24 Kilometer verteilen sich auf mehrere Abschnitte sowie einen Kreuzungsbahnhof. Den Angaben zufolge, soll auch so ein Halbstundentakt zumindest in den Hauptverkehrszeiten 6-8 Uhr sowie 15-18 Uhr möglich werden. Durch den Ausbau ist mit 75 täglichen statt derzeit 60 Zügen auf der Strecke zu rechnen.

An der Machbarkeitsstudie gibt es bereits eine Reihe an Kritik, etwa durch Pro Bahn oder die Bahninitiative Chemnitz: So werde Chemnitz auch weiterhin nicht an das Fernverkehrsnetz anzubinden sein, denn ein stabiler Takt von Fernzügen sei bei einem dichteren Betriebsprogramm von Regionalzügen auf der nach wie vor teils eingleisigen Strecke unmöglich.

Auch komme, so die Bahninitiative Chemnitz, die Machbarkeitsstudie selbst zu dem Ergebnis, dass das vorgesehene Betriebskonzept mit nur HVZ-30-Minuten-Takt die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur im Nordabschnitt nahezu vollständig ausschöpft.

Land: DeutschlandTyp: StreckenausbauTyp: Elektrifizierung

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 22. Juni 2026.