Korridorsanierung Hagen–Wuppertal–Köln endet planmäßig, aber nur eingleisig

Eigentlich hätte am vergangenen Freitag die 800 Mio. Euro teure Korridorsanierung der Strecke Hagen–Wuppertal–Köln (rund 65 km Streckenlänge) planmäßig zu Ende gehen sollen. Faktisch ist die Freude überschaubar: Am letzten Bautag stellte die DB InfraGO fest, dass eine Brücke im Streckenabschnitt marode ist, der Vorfall wurde in den bisherigen Inspektionen (zuletzt Ende 2025) nicht erkannt. Die Strecke wurde nur eingleisig freigegeben. Wer aktuell von Berlin nach Köln reist, muss über das Ruhrgebiet fahren und in Düsseldorf umsteigen, im Regionalverkehr nach Hagen, Wuppertal oder Solingen sind massive Einschränkungen die Folge. Zeitgleich lief eine mehrwöchige Vollsperrung der S-Bahn-Strecke zwischen Hagen und Wuppertal (S8/S9), die den ohnehin belasteten Streckenraum zusätzlich unter Druck setzte.
Bemerkenswert an der Konstellation ist ein struktureller Befund, den mehrere Beobachter der letzten Tage klar aussprechen: Die DB hat bei der Sanierung die Stellwerkstechnik komplett ausgeklammert. Von acht Stellwerken in der Region gelten nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums lediglich drei als „gerade noch befriedigend", die Erneuerung ist erst weit in den 2030er-Jahren vorgesehen. Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) warf der DB in einem offenen Brief „Missmanagement" vor, die Probleme untergrüben aus ihrer Sicht die Akzeptanz des öffentlichen Verkehrs insgesamt. Auch der Verband der Güterbahnen sieht ein grundsätzliches Managementproblem: Geschäftsführer Peter Westenberger sagte der dpa, Vollsperrungen für gebündeltes Bauen seien nicht per se falsch, benötigten aber „operative Exzellenz", und genau die fehle.
Parallel dazu verzögert sich die Inbetriebnahme der Korridorsanierung Nürnberg–Regensburg um drei Wochen bis zum 31. Juli, Grund sind Verzögerungen bei der Sicherheitsüberprüfung der Stellwerkstechnik. Damit ist Hagen–Wuppertal–Köln die dritte Korridorsanierung in diesem Jahr, bei der es nicht rundläuft, nach Hamburg–Berlin (sechs Wochen Verzögerung) und Nürnberg–Regensburg. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hält am Konzept fest, kündigt aber Nachsteuerung an: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Konzept der Korridorsanierung das richtige ist. Aber wir müssen überlegen, so wie es jetzt aufgesetzt ist, erreichen wir die Ziele, die wir uns vorgenommen haben?" DB-Chefin Evelyn Palla hat vergangene Woche angekündigt, das Konzept auf den Prüfstand zu stellen, „die Art und Weise, wie wir mit der Korridorsanierung umgehen, wie wir planen, wie wir umsetzen, wie wir in Betrieb nehmen", müsse neu bewertet werden. Aus Branchensicht ist das ein wichtiges Signal, das wir in den letzten Wochen mehrfach angerissen haben (siehe BahnBriefe KW 17, KW 21, KW 24). Ein theoretisches Warnszenario steht bereits vor der Tür: In drei Monaten startet die Generalsanierung Berlin–Hannover. Zwei große Baustellen gleichzeitig auf der Achse Berlin–Köln wäre einer Fahrgastschaft, die aktuell ohnehin ihre Geduld verliert, kaum noch zu vermitteln.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 16. Juli 2026.