Italo streitet mit DB InfraGO — Bundesnetzagentur entscheidet

Nicht in sattem Dunkelrot, sondern in einem eleganten dunklen Blauton will Italo seine deutschen Züge künftig fahren lassen. Falls es überhaupt dazu kommt. Denn den Kauf von 30 dem ICE 3neo ähnlichen Schnellzügen bei Siemens will das italienische Unternehmen nur dann tätigen, wenn DB InfraGO als Netzbetreiber langfristige Rahmenverträge zur Schienennutzung freigibt; wir berichteten. Konkret will Italo Trassen für die nächsten 15 Jahre zugesichert bekommen, alles andere wäre dem Unternehmen zu risikoreich. DB InfraGO vergibt schon seit 2017 keine derartigen Rahmenverträge mehr, sondern jeweils Trassen für einzelne Fahrplanjahre.
Laut Italo sperre sich die DB InfraGO in momentanen Verhandlungen, hier wieder umzuschlagen. InfraGO argumentiert zudem, dass das Bahnnetz derzeit stark belastet sei und neue Marktteilnehmer keine neuen Kapazitäten schaffen, sondern bestehende Knappheiten weiter anspannen würden. Italo ist der Auffassung, dass zum einen wohl noch Platz für seine Züge sei und zum anderen, dass so das Quasi-Monopol der DB zementiert werde. Selbst bei knappen Trassenangeboten dürften neue Marktteilnehmer nicht benachteiligt werden. DB InfraGO antwortet in einer Stellungnahme, dass ihres Erachtens weder Europarecht noch das deutsche Eisenbahnregulierungsgesetz eine Grundlage gäben, neue Marktteilnehmer zu bevorzugen. Zudem hätte eine aktuelle Befragung der Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland ergeben, dass niemand eine Wiedereinführung der langjährigen Rahmenverträge favorisiert. Dem entgegenzuhalten ist, dass eben auch diese Unternehmen (Flixtrain, Westbahn, Eurostar,…) dann einen zusätzlichen Konkurrenten erhielten. Aufgrund der Einführung einer neuen EU-Verordnung werden entsprechende Verträge ab Ende 2031 aber ohnehin wieder Pflicht.
Wie es nun aber weitergeht, entscheidet Mitte Juni die Bundesnetzagentur, welche hier die Regulierungsbehörde ist. Verschiedenen Medienberichten zufolge zeige sie sich bereits offen dafür, neuen Marktteilnehmern den Zugang zu erleichtern.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 25. Mai 2026.