Italo besiegelt Kauf von 26 Velaros bei Siemens Mobility

Nachdem die Bundesnetzagentur in den letzten Wochen den Weg frei gemacht hatte, kam es gestern zum Vertragabschluss zwischen Italo und Zughersteller Siemens Mobility. Damit ist klar: Ab Ende 2028 wird das private italienische Unternehmen der DB im Hochgeschwindigkeitssektor die Stirn bieten. 26 achtteilige Velaro-Mehrsystem-Züge ähnlich der Baureihe 408 der DB (ICE 3neo) sind nun fix bestellt, mit einer Option auf 14 weitere. Die Fahrzeuge werden allesamt im Werk Krefeld gebaut und zudem im Rahmen eines 30-jährigen Full-Service-Instandhaltungsvertrages im Siemens-Mobility-Service-Standort Dortmund gewartet. Auch der Railigent X sowie Lösungen zur Flottenüberwachung zur vorausschauenden Instandhaltung während des gesamten Lebenszyklus. Der Auftragswert für Siemens Mobility liegt bei rund 3 Milliarden Euro.
Aufgenommen werden 2028 stündliche Verbindungen zwischen NRW und München sowie zweistündlich zwischen München und Berlin. Eine achtteilige Einheit wird 450 Sitzplätze in drei Klassen sowie einen Bistrowagen bieten und bis zu 320 km/h schaffen, von denen, wie beim ICE 3neo, in Deutschland nur maximal 300 km/h ausgefahren werden können. Dank ihrer Mehrsystemtechnik können die Züge allerdings unter vier unterschiedlichen Stromsystemen verkehren: mit 1,5 und 3 kV Gleichstrom sowie 15 und 25 kV Wechselstrom. Dass die Fahrzeuge künftig einmal also auch 320 km/h im Ausland erreichen können, ist nicht ausgeschlossen. Die neuen Züge werden mit integrierten Starlink-Antennen ausgestattet und ermöglichen den Fahrgästen so eine leistungsfähige satellitengestützte Internetverbindung.
Luca Cordero di Montezemolo, Präsident der Italo Holding, sprach gestern von einem „historischen Tag“. Es beginne ein „neues Kapitel“. Klar ist, durch den Markteintritt Italos werden in erster Instanz erstmal zusätzliche Verbindungen entstehen und der Druck auf die DB erhöht. Schließlich werden die nahezu gleichen Züge auf den gleichen Strecken in ähnlicher Zeit verkehren. Die tatsächlichen Entscheidungsgründe für die Wahl des Anbieters, die tatsächliche Qualität Italos sowie etwaige Folgen werden sich dann ab 2028 herauskristallisieren – Auch, wenn in den nächsten Tagen und Wochen sicherlich Stellungnahmen begrüßenswerter wie ablehnender Form von verschiedensten Akteuren veröffentlicht werden dürften.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 23. Juli 2026.