Hitzewelle trifft Bahnsektor

Eine Hitzewelle hat Westeuropa und den deutschsprachigen Raum in diesen Tagen fest im Griff. Und während in vielen Fern- und Regionalzügen die Klimaanlagen ihren Dienst tun, gibt es auch reihenweise Beispiele, die ein anderes Bild zeichnen. Vielerorts wurde die Schieneninfrastrukturen in Mitleidenschaft gezogen: Gleisverwerfungen und Weichenschäden haben für Streckensperrungen gesorgt. Zwischen Hannover und Bremen hatte es am Wochenende zeitweise keinen Zugbetrieb gegeben. Im Stuttgarter Hauptbahnhof wurden am Samstag (27.06.2026) kurzzeitig 12 der 16 Bahnsteiggleise gesperrt, nachdem ein Böschungsbrand große Teile des Gleisvorfeldes lahmgelegt hatte. Die Railjets der ÖBB sind kurzerhand auf 200 statt 230 km/h begrenzt worden, wobei bei zu großer Überhitzung des Pantografen in diesen Tagen 160 km/h das betriebliche Limit ist. DB Fernverkehr hatte eine kurzfristige „Warnung“ ausgesprochen, etwaige Fahrten im Fern- und Regionalverkehr zu verschieben und auch die ÖBB haben sich entsprechend geäußert. Der Diesel-Eurocity zwischen Wien und München via Simbach am Inn, welcher während der deutschen Korridorsanierung temporär eingesetzt ist, ächzt auch unter der Hitzewelle und glänzt mit einer Pünktlichkeitsquote von 0,00 %.
Einige regionale Eisenbahnverkehrsunternehmen haben im Nahverkehr stundenweise ihren Betrieb eingestellt. So etwa National Express im Ruhrgebiet: Die Hauptachse des größten Ballungsraums im deutschsprachigen Raum war am Samstag für rund sechs Stunden lahmgelegt – Nicht aber wegen Ausfalls der Klimaanlagen, sondern aufgrund von Kompressorenüberhitzungen und präventiv als Maßnahme gegen unvorhergesehene Pannen auf freier Strecke. Zu denen kam es aber auch: Ein ComfortJet auf dem Weg von Kopenhagen nach Prag blieb am Samstag mit 600 Fahrgästen zwischen Hamburg und Berlin auf freier Strecke stehen. Weil durch ein Sommerunwetter ein Baum auf die Oberleitung gefallen war, gab es keinen Strom; die Klimaanlage fiel aus und rund 600 Fahrgäste harrten stundenlang aus, bis es dann per Diesellok zum nächsten Bahnhof weiterging. Auch die Wiener S-Bahn weist Rekordunzuverlässigkeiten auf – und das in den letzten Betriebstagen der altehrwürdigen Baureihe 4020.
Einmal mehr zeigt die Hitzewelle also, wie wichtig also funktionierende technische Systeme und eine resiliente Infrastruktur sind. Schließlich werden die Sommer in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch extremer – und auch der jetzige Sommer ist noch lang.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 30. Juni 2026.