Erste Direktverbindung Prag–Berlin–Kopenhagen aufgenommen

Seit dem 1. Mai gibt es eine durchgehende Tagesverbindung zwischen Prag und Kopenhagen, mit Halten unter anderem in Dresden, Berlin und Hamburg. Betreiberseitig ist es eine Kooperation von DB, DSB und ČD; eingesetzt wird der ČD ComfortJet mit 230 km/h Höchstgeschwindigkeit, 555 Sitzplätzen (davon 99 in der 1. Klasse) und 12 Fahrradstellplätzen. Verkehrlich besonders relevant ist der politische Rahmen: Die Verbindung ist das erste von zehn von der Europäischen Kommission unterstützten Pilotprojekten zur Stärkung des grenzüberschreitenden Schienenpersonenverkehrs.
Der Auftakt verlief allerdings holprig. Die Premierenfahrt am Freitag erreichte Kopenhagen gar nicht erst . Der Zug endete mit über vier Stunden Verspätung in Hamburg-Altona. Ursache war ein Oberleitungsschaden zwischen Lüneburg und Hamburg, bei dem Teile der Oberleitung kurz nach 13 Uhr mit einem ICE kollidierten und die Strecke vollständig gesperrt werden musste. Die Reisenden mussten in Hamburg umsteigen. Verschuldet hat die ČD den Vorfall nicht, die Ursache lag klar im deutschen Netz, der symbolische Wert eines Premieren-Zugs, der sein Ziel nicht erreicht, ist allerdings naturgemäß ein anderer als bei einer Routinestörung im laufenden Betrieb.
Auch unabhängig vom Pannenstart wird der Zug in der Anlaufphase unter erschwerten Bedingungen verkehren. Vorerst gibt es nur eine Verbindung pro Tag und Richtung, die planmäßige Fahrzeit liegt bei rund 13 Stunden. Wegen der noch laufenden Generalsanierung Hamburg–Berlin muss der Zug (wie der gesamte Fernverkehr in der Relation) den Umweg über Stendal und Uelzen nehmen, hinzu kommt ein etwa 80-minütiger betrieblicher Aufenthalt in Hamburg-Altona. Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten am 14. Juni entfallen sowohl die Umleitung als auch der lange Aufenthalt; gleichzeitig wird auf zwei Verbindungen pro Tag und Richtung aufgestockt, im Sommer ergänzt um jeweils einen Nachtzug.
Mittelfristig steht die Relation vor einem zweiten, weit größeren Sprung: dem Fehmarnbelttunnel. Der ursprüngliche Eröffnungstermin 2029 hält allerdings nicht, nach dem aktuellem Stand wird der Tunnel nicht vor Ende 2032 fertiggestellt sein. Eine durchgehende Bahnverbindung durch den Tunnel ist also realistischerweise erst Mitte der 2030er-Jahre zu erwarten. Dann soll sich die heutige Reisezeit Hamburg–Kopenhagen von rund 4:30 Stunden auf etwa 2:30 Stunden nahezu halbieren. Spannend wird das Bild, wenn man die Perspektive über Hamburg hinaus verlängert: Mit den parallel geplanten Beschleunigungen auf der Achse Wien–Berlin (Zielwert rund 4:30 Stunden, siehe unseren Beitrag dazu) wäre Wien–Kopenhagen perspektivisch in einer Größenordnung von rund neun Stunden denkbar. Gegenüber heute 12 bis 14 Stunden.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 4. Mai 2026.