Cybervorfall bei Stadler: 10 Millionen Franken Lösegeldforderung, keine Zahlung

Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler ist Mitte Juli Ziel eines Cybervorfalls geworden. Wie das Unternehmen am 21. Juli mitteilte, verschafften sich Cyberkriminelle über kompromittierte Zugangsdaten Zugriff auf eine Datenaustauschplattform, die Stadler mit einem Zulieferer betreibt. Über diesen Weg wurden technische Daten des Zulieferbetriebs entwendet. Stadler betont in seiner Stellungnahme, dass die eigenen IT-Systeme des Unternehmens weder kompromittiert wurden noch aus der eigenen Infrastruktur Daten entwendet wurden. Die betroffenen Informationen seien technische Zulieferdaten und laut Stadler nicht sicherheitsrelevant, auch personenbezogene Daten seien nicht betroffen. Die weltweit im Einsatz befindlichen Schienenfahrzeuge sind nach Unternehmensangaben in keinerlei Hinsicht betroffen, die Produktion an allen Standorten laufe ohne Einschränkungen weiter.
Zu dem Angriff hat sich die cyberkriminelle Everest Group in einem Erpresserschreiben bekannt, sie fordert 10 Millionen Schweizer Franken Lösegeld. Stadler hat unmissverständlich mitgeteilt, das Unternehmen zahle „unter keinen Umständen" und sei somit nicht erpressbar. Zudem wurde bei der Kantonspolizei Thurgau Strafanzeige eingereicht. Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle in der Schweizer Wirtschaft ein. Die Everest Group hatte bereits im vergangenen Jahr behauptet, die Krypto-Firma Bitbox angegriffen zu haben, der Angriff stellte sich später als falsch heraus, die vermeintlich neuen Daten stammten aus einem älteren Leak eines Drittanbieters. Für die Bahnbranche liegt die Relevanz des Falls vor allem im Ort des Angriffs: nicht direkt auf den Hersteller, sondern auf die Schnittstelle zu einem Zulieferer. Datenaustauschplattformen zwischen Herstellern und Lieferanten sind ein wachsender neuralgischer Punkt in der industriellen Cybersecurity, weil sie klassische IT-Perimeter aufweichen. Die Diskussion um Angriffsflächen der Bahn- und Zulieferindustrie hat spätestens seit dem Anschlag zwischen Köln und Düsseldorf im Juli (BahnBrief KW 29) ohnehin neuen Wind bekommen, wenn auch mit ganz anderer Motivlage.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 27. Juli 2026.