Berlin: Vorstellung Nord-Süd-KISS und finaler Zuschlag S-Bahn

Nicht nur bei Italo kam es gestern zur großen Verkündung. Der Zuschlag für die erstmal 350 neuen S-Bahn-Züge für die Berliner S-Bahn an das Konsortium aus Siemens Mobility und Stadler konnte – bereits vergangene Woche – endlich erteilt werden. Nachdem der unterlegene Bieter Alstom wir berichteten von weiteren rechtlichen Schritten absah, schien das jahrelange Ringen rund um eine Lösung endlich beendet. Und nun ist es eben klar, wie es weitergeht: Die DB-Tochter S-Bahn Berlin GmbH wird weiterhin Betreiberin der Netze Nord-Süd sowie Stadtbahn sein und die neuen Züge, welche denen des Netzes Ring/Südost (BR 483/484) ähneln werden, betreiben. Gehören werden die Neufahrzeuge allerdings der neuen Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin (LSFB) und werden über einen Instandhaltungsvertrag mit dem Lieferkonsortium 30 Jahre lang an den bestehenden Standorten gewartet. Zusätzlich wird ein neues S-Bahn-Instandhaltungswerk in Fredersdorf-Vogelsdorf in Brandenburg m östlichen Streckenast der S5 errichtet.
Die Einflottung der ersten der insgesamt eben 350 vierteiligen Halbzüge (es wird keine zweiteiligen Viertelzüge mehr geben) soll 2032 beginnen und 2038 abgeschlossen sein. Der Verkehrsvertrag läuft dann zunächst 15 Jahre. Das Gesamtvolumen des Projekts umfasst nun rund 15 Milliarden Euro. Absehbar ist, dass die Neufahrzeuge eben keine großen Unterschiede von jenen der Baureihe 483 aufweisen werden, auch, wenn es noch keine Visualisierung gibt. Verlautbart wurde bislang lediglich, dass es weitere Optimierungen bei der Effizienz des Antriebs, des Brandschutzes und der Cybersicherheit gibt, während das äußere Design erhalten bleiben soll. Die Altbaureihen 480 und 481 sollen komplett ersetzt werden.
Nicht von Siemens, aber auch von Stadler stammen zudem die neuen Züge des RE3 des Berliner Nord-Süd-Netz 2, welche Anfang Juli vorgestellt wurden. Es handelt sich um zwölf klassische KISS-Triebzüge, welche doppelstöckig rund 575 Sitzplätze und damit deutlich mehr Kapazität als bislang bieten. Mobilfunkdurchlässige Scheiben, Steckdosen und induktive Ladeflächen an jedem Platz sowie große Monitore für die Fahrgastinformation sollen zudem den Komfort verbessern. Ab Fahrplanwechsel im Dezember wird der RE3 eine durchgehende stündliche Verbindung zwischen Stralsund, Berlin und Lutherstadt Wittenberg bieten. Auch der RE4 und RE5 werden dauerhaft stündlich verkehren – allerdings mit modernisierten Doppelstocktriebwagen, auch fünf Stück, und E-Lok. Zum Betriebsstart im Dezember werden die Stadler KISS allerdings noch nicht zur Verfügung stehen, wie jetzt bekannt wurde. Daher wird auch der RE3 zunächst mit bestehenden Dostos bedient, welche von der RB24 und RB32 stammen. Diese wiederum werden dann vorrübergehend mit Talent-2-Zügen bedient.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 23. Juli 2026.