Infrastruktur

Bayern blockiert Brenner-Nordzulauf: CSU fordert noch mehr Tunnel – Bundestagsentscheidung erneut vertagt

Ein anderes Bundesland, welches ein geplantes Projekt auf seinem Territorium ablehnt, ist Bayern: Wie ebenfalls gestern (20.4.) in verschiedenen Medien berichtet, will der Freistaat die Vorzugsvariante der DB InfraGO für den Brenner-Nordzulauf offenbar nicht hinnehmen. Die Landesregierung unter CSU-Führung wolle sich dem Vernehmen nach für einen noch höheren Tunnelanteil einsetzen, wenngleich bereits mehrere Tunnel mit mehreren zehn Kilometern Länge vorgesehen sind. Aufgrund des bayerischen Drucks wurde die parlamentarische Befassung, wie sie jetzt auch in absehbarer Zeit bei Hamburg-Hannover ansteht, erstmal weiter verschoben.

Konkret geht es um die sogenannte „Variante Violett", eine rund 54 Kilometer lange Trasse mit einem Tunnelanteil von etwa 60 Prozent, die vom österreichischen Schaftenau bis zum Verknüpfungspunkt Ostermünchen östlich an Rosenheim vorbeiführt. Trotz dieser ohnehin schon beachtlichen Untertunnelung fordern CSU und Freie Wähler zusätzliche unterirdische Abschnitte – insbesondere eine bergmännische Lösung an der Verknüpfungsstelle Kirnstein südlich von Rosenheim, die die DB InfraGO aus Sicherheitsgründen jedoch klar ablehnt. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) spricht bei der Trassenwahl von einer „Jahrhundert-Entscheidung" und verlangt möglichst weitgehend unterirdische Streckenführung, umfassenden Lärmschutz und den Schutz der Landschaft. Die Kritik daran ließ nicht lange auf sich warten: SPD-Verkehrspolitiker werfen der Landesregierung vor, wegen lokaler Proteste im Inntal ein europäisches Infrastrukturprojekt zu verzögern, das die CSU in früheren Jahren selbst mitgetragen hat.

Die Folge ist eine weitere Verschiebung der parlamentarischen Befassung, die eigentlich schon im Frühjahr 2025 erwartet worden war und dann ins erste Halbjahr 2026 verschoben wurde – nun droht die nächste Vertagung. Aus Tirol kommt inzwischen harsche Kritik: Aus Sicht der Liste Fritz zahle Österreich Milliarden, während Deutschland bremse; notfalls müsse über eine Klage beim EuGH nachgedacht werden, um Bewegung in die bayerischen Planungen zu bringen. Pikant ist das Ganze vor dem Hintergrund, dass der Brennerbasistunnel 2032 in Betrieb gehen soll, die deutsche Zulaufstrecke nach aktuellem Stand aber frühestens 2040 fertig wird – im ungünstigsten Fall müsste also fast ein Jahrzehnt lang über den Jahrhunderttunnel gefahren werden, ohne dass im Norden die entsprechende Kapazität zur Verfügung steht.

Land: DeutschlandLand: ÖsterreichTyp: NeubaustreckeTyp: TunnelUnternehmen: DB InfraGO

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 21. April 2026.