Abstriche bei Qualitätsoffensive Hamburg—Hannover

Die Deutsche Bahn nimmt vom 1. Mai bis 10. Juli eine verkürzte Sanierung der Strecke Hamburg–Hannover vor. Hintergrund ist die parallele, länger andauernde Korridorsanierung der Verbindung Hamburg–Berlin, weshalb der ursprünglich geplante Umfang reduziert wurde — Wir berichteten bereits. Es werden nun rund 66 Kilometer Gleis, 36 Weichen, sechs Weichenheizungen sowie zwei Kilometer Oberleitung modernisiert. Weitere eigentlich geplante Maßnahmen sollen dann im Rahmen der Generalsanierung 2029 nachgeholt werden. Ab dem 1. Mai wird die Strecke zunächst abschnittsweise, ab dem 14. Juni vollständig gesperrt. Der Fernverkehr wird großräumig umgeleitet. Für den Regionalverkehr hat die Bahn ein Ersatzkonzept entwickelt, das zusätzliche S-Bahnen zwischen Hannover und Celle, ein Grundangebot zwischen Lüneburg und Hamburg sowie Ersatzbusse zwischen Langenhagen und Lüneburg vorsieht.
Die Strecke gilt seit Jahren als überlastet und störanfällig; die Bahn spricht von einer „Qualitätsoffensive“, mit der kurzfristig die Zuverlässigkeit verbessert werden soll. Kritik kommt aus dem Schienengüterverkehr. Die Verbindung ist eine zentrale Achse für Transporte vom Hamburger Hafen Richtung Italien sowie nach Südost- und Osteuropa. Der Branchenverband „Die Güterbahnen“ bewertet die Maßnahmen faktisch als Korridorsanierung mit weitreichenden betrieblichen Folgen. Besonders problematisch sei die zeitliche Überschneidung mit der verzögerten Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin, deren vollständige Wiederinbetriebnahme nun für den 14. Juni vorgesehen ist.
Zuerst erschienen im BahnBrief vom 27. April 2026.