Infrastruktur

190 statt 250 km/h auf Teilen der Koralmbahn

Die Eröffnung der neuen Koralmbahn im vergangenen Dezember war für Österreich besonders: Nicht nur wurde das betriebliche Konzept der Eisenbahn im Süden des Landes von Grund auf umstrukturiert, auch handelt es sich bundesweit um die erste überhaupt für 250 km/h ausgelegte Strecke. Die Railjets schaffen zwar ohnehin nur 230 km/h und die eingesetzten ICEs sowie Westbahn-SMILEs sind meist auch nicht schneller unterwegs - Aber, es wäre theoretisch noch Spielraum nach oben. Nicht aber im sechs Kilometer langen Granitztaltunnel westlich des Lavanttals etwa in der Mitte der Koralmbahn. Denn dort ist die maximal zulässige Geschwindigkeit derzeit um 60 km/h auf 190 km/h herabgesenkt.

Grund dafür seien laut Medienberichten auftretende Tunnelknalle an den Tunnelportalen des Granitztaltunnels. Der Tunnelknall tritt grundsätzlich an Tunnelenden auf, wenn sich in einem längeren Tunnel bei hoher Geschwindigkeit ein Luftpolster vor dem Zug aufbaut, welches sich dann entlädt. Nicht nur für Menschen in der Umgebung ist das unangenehm, auch im Zug selber macht sich dann ein starker Druckwechsel bemerkbar. Dass es in diesem Falle zu den Knallen kommt, ist laut den Medienberichten ungewöhnlich: Schließlich ist der Tunnel mit sechs Kilometern ein verhältnismäßig kurzer und die Geschwindigkeiten auch noch zu gering. Laut einer ÖBB-Sprecherin betrage der zeitliche Verlust durch die Herabsenkung der Höchstgeschwindigkeit nun lediglich zehn Sekunden, was betrieblich so gut wie keine Auswirkungen habe. Bauliche Maßnahmen oder gar Regressforderungen gegen Baufirmen werde es laut ihr nicht geben.

Das Problem des Tunnelknalls wird andernorts durch spezielle Bauwerke an den Tunnelportalen gelöst, wobei es am Granitztaltunnel wohl erstmalig bei Testfahrten im Dezember zu entsprechenden Erkenntnissen kam, dass das Phänomen überhaupt auftritt.

Land: ÖsterreichVerkehrsbetrieb: ÖBBVerkehrsbetrieb: WestbahnTyp: TunnelTyp: Neubaustrecke

Zuerst erschienen im BahnBrief vom 16. März 2026.